
gegenwärtig in der Traumatherapie heiss debattierte Methoden

Ein multiperspektivischer Ansatz
Die psychotherapeutische Behandlung einer narzisstischen Persönlichkeitsstörung (NPS) und die Behandlung eines Missbrauchsopfers eines Narzissten oder einer Narzisstin unterscheiden sich grundlegend, obwohl beide Ansätze auch traumatherapeutische Elemente enthalten.
Hinweis: Trauma und Narzissmus sind nicht gleichzusetzen!
In meiner Arbeit betrachte ich das Thema Trauma unabhängig und offen, ohne es ausschließlich mit Narzissmus in Verbindung zu bringen. Traumatische Erlebnisse können tiefgreifende Auswirkungen auf die Psyche eines Menschen haben und sich in sehr unterschiedlichen Formen äußern – von Ängsten über Bindungsprobleme bis hin zu Selbstwertthematiken.
Dennoch stelle ich in meiner Arbeit bewusst eine Verbindung zum Thema narzisstische Persönlichkeitsmuster her, da ich mich schwerpunktmäßig mit narzisstischer Dynamik und deren Auswirkungen beschäftige. Dabei ist es wichtig zu betonen, dass Trauma und Narzissmus nicht zwangsläufig miteinander verknüpft sind. Während ein Trauma in manchen Fällen zur Entwicklung narzisstischer Schutzmechanismen beitragen kann, bedeutet dies nicht, dass alle traumatisierten Menschen narzisstische Züge entwickeln – genauso wenig wie jeder Narzisst ein traumatisches Erlebnis durchlebt haben muss.
Mein Ansatz ist daher differenziert und individuell: Traumatische Erfahrungen verdienen eine eigenständige Betrachtung, unabhängig von Persönlichkeitsstrukturen, während der Narzissmusforschung ein anderer Fokus zugrunde liegt. Beide Themen sind wertvoll und wichtig, aber nicht automatisch miteinander gleichzusetzen.
Michaela Huber in Narzissmus und Bindungstrauma, S. 20 (Junfermann, 2024): "Viele von ihnen meiden bislang eine Behandlung, vermutlich aus Krankheitsgewinn, denn wie Geisterfahrer auf der Autobahn denken sie, bei ihnen sei alles in Ordnung. Dumm seien die anderen, die dummerweise alles falsch machten. Doch auch Scham spielt eine große Rolle. Denn erst, wenn viele Beziehungen und Jobs in die Brüche gegangen sind, bemerken einige Betroffene, dass sie depressiv und frustriert sind. Depression ist denn auch der häufigste Grund für narzisstische Menschen, einen Psychotherapeuten aufzusuchen. Dabei sind die Behandlungsmöglichkeiten durchaus vielversprechend: Wer bereit ist, sich nüchtern und einigermaßen aufrichtig mit der eigenen Symptomatik auseinanderzusetzen, sein Beziehungsverhalten zu überdenken und neue Kommunikationsmöglichkeiten auszuprobieren, kann in der Tat von der übersteigerten Selbstbezogenheit genesen (Hagemeyer 2021)."
NPS
Behandlung der Narzisstischen Persönlichkeitsstörung (NPS)
Die Behandlung von NPS konzentriert sich auf die Verbesserung des Selbstwertgefühls und die Entwicklung von Empathie.
Psychodynamische Psychotherapie / Übertragungszentrierte Tiefenpsychologie: Diese Therapieform zielt darauf ab, die zugrunde liegenden dynamischen Konflikte und unbewussten Prozesse zu verstehen, die das narzisstische Verhalten antreiben.
Kognitive Verhaltenstherapie (CBT) / Klärungsorientierte Therapie: Hierbei werden dysfunktionale Denkmuster und Verhaltensweisen identifiziert und bewusst verändert, um interaktionale Probleme zu verantworten. Schematherapie: Diese Methode hilft, tief verwurzelte negative Schemata zu erkennen und zu verändern.
Missbrauchsopfer
Behandlung von Missbrauchsopfern eines Narzissten
Die Therapie für Missbrauchsopfer konzentriert sich auf die Heilung der emotionalen und psychischen Wunden, die durch den Missbrauch entstanden sind.
Traumatherapie: Diese umfasst Techniken wie EMDR (Eye Movement Desensitization and Reprocessing) mit bilateraler Stimulation, Stabilisierungstechniken zur Triggerkontrolle und Selbstregulation, in Kombination mit kognitiver Verhaltenstherapie, Gestalttherapie und narrativen Verfahren (NET - siehe ganz unten auf dieser Seite, Sendung Sternstunden, SRF), um traumatische Erlebnisse effektiv und rascher zu verarbeiten.
Stärkung des Selbstwertgefühls: Opfer lernen, ihr Selbstwertgefühl wieder aufzubauen und gesunde Beziehungen zu sich selbst und anderen zu entwickeln, dabei wird auch stark biographisch gearbeitet zum Verständnis bereits früh gesetzter Verwundungen insbesondere bei komplextraumatisierten Personen.
Verarbeitung von emotionalen Verletzungen: Die Therapie bietet einen sicheren Raum, um die traumatischen Erlebnisse zu verarbeiten und emotionale Verletzungen zu heilen.
Zur präzisen Einschätzung einer Traumatisierung erfolgt die Diagnostik mittels sogenannter Traumascores und leitliniengerechter Interviews.
PTBS-Diagnose
- Symptomerfassung: Wiedererleben, Vermeidung und anhaltende Wahrnehmung einer erhöhten aktuellen Bedrohung.
- Bewertungsskala: 5-Punkte-Skala (0 = nicht vorhanden bis 4 = extrem).
- Kriterien:
- Konfrontation mit einem traumatischen Ereignis.
- Mindestens ein Symptom aus jeder der drei Symptomgruppen (Wiedererleben, Vermeidung, Bedrohungswahrnehmung) mit einem Wert ≥ 2.
- Funktionelle Beeinträchtigung in sozialen, beruflichen oder anderen wichtigen Bereichen.
- Symptome müssen seit mindestens einigen Wochen bestehen.
Komplexe PTBS-Diagnose
- Symptomerfassung: Störungen der Selbst-Organisation (DSO), einschließlich Affekt-Dysregulation, negatives Selbstkonzept und gestörte Beziehungen.
- Bewertungsskala: 5-Punkte-Skala (0 = gar nicht bis 4 = extrem).
- Kriterien:
- Erfüllung aller PTBS-Kriterien oder PTBS-Kriterien ohne anhaltende Bedrohungswahrnehmung plus verminderte Schreckreaktion.
- Mindestens ein Symptom aus jeder DSO-Symptomgruppe mit einem Wert ≥ 2.
- Symptome müssen traumabezogen sein, seit mindestens 3 Monaten bestehen und zu klinisch bedeutsamen Beeinträchtigungen führen.
Zur Einschätzung wie schwer eine Person in ihrer Funktion gestört ist orientiert das Persönlichkeits-Funktions-Niveau (Doering / Kernberg). Die Persönlichkeitsorganisation erfasst die strukturellen Bereiche der Funktion einer Persönlichkeit. Funktionieren diese Bereiche nicht, spricht man von einer Persönlichkeits-Störung. Fünf zentrale Funktionsbereiche gelten: Identität, Objektbeziehungen, Abwehr, Aggression und Wertvorstellungen. Sie gestalten auf einem Spektrum die normale, die neurotische und die "borderline" Organisation der Persönlichkeit.
- Normale Persönlichkeitsorganisation: Integrierte Identität, stabile und komplexe Objektbeziehungen, gesunde Abwehrmechanismen, kontrollierte Aggression und konsistente Wertvorstellungen.
- Neurotische Persönlichkeitsorganisation (NPO): Integrierte Identität mit leichter Rigidität, stabile Objektbeziehungen mit gewissen Schwierigkeiten, überwiegend reife Abwehrmechanismen, kontrollierte Aggression und strenge, aber organisierte Wertvorstellungen.
- Borderline Persönlichkeitsorganisation (BPO): Identitätsdiffusion, instabile und gespaltene Objektbeziehungen, vorherrschende primitive Abwehrmechanismen, ausgeprägte Aggression und brüchige Wertvorstellungen.
Traumatherapeutischer Bezug
Beide Behandlungsansätze enthalten traumatherapeutische Elemente, um die traumatischen Erfahrungen zu verarbeiten:
Für NPS-Patienten: Traumatherapie kann helfen, frühkindliche Traumata zu bearbeiten, die zur erstarrten psychoemotionalen Entwicklung oder zur kompensatorischen Entwicklung der Persönlichkeitsstörung im Sinne einer erfolgreichen "Überlebensstrategie" beigetragen haben. Hierzu gilt es das relativ neue Störungskonzept der traumaassoziierten Narzissmusstörung (TANS) zu diagnostizieren. Betroffene lernen empathischer und mitfühlender zu werden, gleichsam mit den eigenen Wunden und mit den Wunden anderer Menschen, auch für jene Wunden die man selbst zu verantworten hat. Hoffnung auf Veränderung wird gesät, das Gesunde im Störungsbild zu bergen.
Verstehen, wie paradox die narzisstischen Störung funktioniert und in unser aller Bewusstsein bringen!
Für Missbrauchsopfer: Traumatherapie ist zentral, um die erlittenen Traumata und die eigene, sehr individuelle Traumareaktion und die verinnerlichten Selbstanteile mit aufgeladenen, traumabezogenen Affekten, Introjekten des Täters und Erinnerungen zu verarbeiten und die psychische Stabilität und Würde und Grenzen der eigenen Person wiederherzustellen. Das Ich und das Du werden für gesunde Beziehungen neu begrenzt und auf übende Weise auf einer gesunden Weise neu erfahrbar gemacht.
Diese Ansätze zeigen, wie unterschiedlich die therapeutischen Bedürfnisse und Ziele bei NPS-Patienten und ihren Opfern sind, und wie beide Gruppen von traumatherapeutischen Methoden profitieren können. Hierbei zeigen sich sehr unterschiedliche Konstellationen in der Behandlung von Einzelpersonen und auch in Paaren. Emotionale Stabilität, Verständnis und Klärung der komplexen Dynamik wird unter guten Bedingungen in eine Veränderungsbereitschaft und auch zu tatsächlichen Veränderungen führen.
Das Leiden der Opfer stärker in unser Bewusstsein bringen!
Nach Klärung und Verstehen, etwa wer zu welchen Anteilen sich wie verantwortungslos verhält, wie Grenzen verletzt werden oder Begrenzungen und Bedürfnisse zurückgehalten werden, aus Furcht vor tiefgreifenden Konsequenzen, oder wie Beherrschung, Selbstbeherrschung und Autonomie unterdrückt oder aufgegeben werden, um zu gefallen oder einen Gefallen bis zur Selbstaufgabe zu gewähren. Dabei sind oft das Festhalten an irrigen oder tiefen Überzeugungen, das Hoffen auf Besserung ohne ernsthaften Veränderungsprozess und die Angst vor dem persönlichen Scheitern oder eine fundamentale Existenzbedrohung mitbestimmend.
Die im therapeutischen Prozess hilfreichen Veränderungen beginnen mit der Selbsterkenntnis und der Einsicht, Opfer von Missbrauchshandlungen zu sein oder eine missbrauchende, kontroll- und machtorientierte Person zu sein. Menschen sind komplex. Erkenntnisse aus dem therapeutischen Prozess reichen über eine tiefgreifende, ehrliche Reflexion im schmerzvollen bewusst werden der erlittenen (als Opfer) oder ausgeübten (als handelnde Person) Handlungen. Diese missbräuchlichen, verletzenden Handlungen können bei Einsicht und Reue zu Schuld- und Schamerleben führen und wenn dies ehrlich und wahrhaftig erlebt wird, auch zu Ruhe, Vergebung und Versöhnung führen. Dann erst kann ein neuer Wegabschnitt möglich sein. Ein Neuanfang kann Vieles darstellen, ob Fortsetzung der Beziehung, Trennung mit Kontaktabbruch oder kompromisshaft etwas dazwischen. Realistisch ist oft der notwendige Erhalt einer beherrschbaren, funktionalen Kommunikation.
Es gibt immer noch die Chance auf Hoffnung, menschlich miteinander umzugehen.
Wichtige Differentialdiagnosen
Die Schwere einer Persönlichkeitsstörung wird in der neuen ICD-11 durch Schweregrade von Funktionsbeeinträchtigungen definiert, die in drei Gruppen eingeteilt sind: leicht, mittel und schwer. Zusätzlich werden prominente Persönlichkeitsmerkmale beschrieben, wie Negative Affektivität, Distanziertheit, Dissozialität, Enthemmung (Impulsivität) und Zwanghaftigkeit (Anankasmus). Persönlichkeitsstörungen können sich in ihrer Manifestation deutlich unterscheiden, aber es wird angenommen, dass sie durch eine Kombination von genetischen und Umgebungsfaktoren verursacht werden. Viele Persönlichkeitsstörungen werden mit dem Alter weniger gravierend, aber bestimmte Merkmale können bis zu einem gewissen Grad anhalten. Nicht untypisch ist die Schnittmenge zwischen Persönlichkeitsstörung und Trauma. Verwechslung zwischen einer Persönlichkeitsstörung und dem Vorliegen einer Traumafolgestörung sind häufig. Typischerweise ist es herausfordernd, eine Persönlichkeitsstörung vom Borderline-Muster von einer komplexen Traumafolgestörung zu unterscheiden. Herausfordernd kann es sein, zwischen psychischem Trauma (PTBS) als Traumafolgestörung nach narzisstischem Missbrauch (PNSD/PNBS – postnarzisstische Belastungsreaktion), sowie umgekehrt eine narzisstische Verhaltensweise als Traumareaktion (TANS – traumaassoziierte narzisstische Störung) von der narzisstischen Persönlichkeitsstörung zu unterscheiden.
Neurodiversität auch als ungünstige Verschlechterung neuropsychiatrischer Störungen verstehen!
ADHS - Aufmerksamkeitsstörung: Vermutlich bedeutender als bisher durch die Fachwelt angenommen ist die Komorbidität mit ADHS, die den Grad narzisstischer Symptome erheblich verschärfen kann und eine Narzissmusstörung sogar mit ADHS selbst verwechselbar macht. Die psychopharmakologische Behandlung von ADHS kann hier rasch helfen.
Bearbeitungsstand: 02.10.2026

Die Ressourcen-Kartoffel zur Stärkung und Stabilität für Grounding-Übung
Warum Kartoffel?? Eine Kartoffel besteht aus Stärke und ist eine Erdfrucht und damit das ideale Anker-Symbol. Und vielleicht hat sie auch einen Namen: Linda, die perfekte Kartoffel.
BLS, EMDR und IRRT: Rhythmus für Heilung – wie bilaterale Stimulation traumatische Bilder entlädt und neu verknüpft.
EMDR, Traumatherapie und Teilearbeit
Manche Erfahrungen sind vorbei – und trotzdem nicht wirklich vergangen.
Eine Situation, ein Satz, ein Geruch oder ein bestimmtes Verhalten eines anderen Menschen genügt, und plötzlich sind Angst, Anspannung, Hilflosigkeit oder Wut wieder da. Manchmal reagiert der Körper, bevor der Verstand überhaupt verstanden hat, was gerade passiert.
Traumatherapie setzt genau hier an.
Es geht nicht darum, belastende Erfahrungen zu vergessen. Es geht darum, sie so zu verarbeiten, dass sie Erinnerungen werden können – statt immer wieder Gegenwart zu sein.
Was ist EMDR?
EMDR steht für "Eye Movement Desensitization and Reprocessing" und ist ein wissenschaftlich untersuchtes psychotherapeutisches Verfahren zur Verarbeitung belastender und traumatischer Erfahrungen.
Bei EMDR wird eine belastende Erinnerung gezielt aktiviert und gleichzeitig eine sogenannte bilaterale Stimulation eingesetzt – häufig durch geführte Augenbewegungen, alternativ beispielsweise durch wechselseitige taktile Reize.
Dadurch wird ein Verarbeitungsprozess angeregt.
Bilder, Gedanken, Gefühle und körperliche Reaktionen können sich verändern. Die Erinnerung verschwindet dabei nicht. Aber sie kann ihre emotionale Wucht verlieren.
Aus einem inneren "Es passiert wieder" kann zunehmend ein "Es ist passiert" werden.
Traumaspezifisches EMDR
Nicht jede belastende Erfahrung ist ein Trauma. Und nicht jede traumatische Erfahrung sollte sofort mit EMDR bearbeitet werden.
Gerade bei länger anhaltenden oder wiederholten traumatischen Erfahrungen ist es wichtig, zunächst ausreichend Sicherheit und Stabilität herzustellen.
Deshalb steht am Anfang einer traumaspezifischen Behandlung häufig nicht die Konfrontation mit dem Erlebten.
Zunächst geht es darum, die eigenen Reaktionen besser zu verstehen, Ressourcen zu stärken, Möglichkeiten zur Selbstregulation zu entwickeln und wieder ein Gefühl von Kontrolle zu bekommen.
Erst wenn genügend Stabilität vorhanden ist, können belastende Erinnerungen schrittweise bearbeitet werden.
Das Tempo bestimmt nicht die Methode, sondern der Mensch.
Wenn ein Teil von mir will – und ein anderer nicht
"Zwei Seelen wohnen, ach! in meiner Brust."
Was Goethe poetisch beschrieben hat, kennen die meisten Menschen aus ihrem Alltag.
Ein Teil möchte eine Beziehung beenden – ein anderer hält fest.
Ein Teil möchte endlich eine Entscheidung treffen – ein anderer bekommt Angst.
Ein Teil weiß ganz genau, dass heute keine Gefahr mehr besteht – und trotzdem reagiert etwas im Inneren, als müsse man sich weiterhin schützen.
Wir erleben uns nicht immer als vollkommen einheitlich.
In der Psychotherapie kann es deshalb hilfreich sein, unterschiedliche innere Anteile wahrzunehmen und miteinander in Kontakt zu bringen.
Teilearbeit
Die Teilearbeit geht davon aus, dass auch Verhaltensweisen oder Reaktionen, unter denen wir heute leiden, einmal eine sinnvolle Funktion gehabt haben können.
Ein ängstlicher Anteil möchte vielleicht schützen.
Ein kontrollierender Anteil versucht möglicherweise, Unsicherheit zu verhindern.
Ein besonders leistungsorientierter Anteil sorgt dafür, nicht abhängig oder angreifbar zu werden.
Und ein Anteil, der Nähe vermeidet, könnte irgendwann gelernt haben, dass Nähe gefährlich werden kann.
Das bedeutet nicht, jedes Verhalten gutzuheißen.
Es bedeutet zunächst, zu fragen:
Wofür ist dieser Teil da? Was versucht er für mich zu erreichen oder zu verhindern?
Vom inneren Konflikt zur Zusammenarbeit
In der Teilearbeit können solche inneren Positionen zunächst identifiziert und beispielsweise durch Bilder, Symbole oder räumliche Vorstellungen sichtbar gemacht werden.
Wo befindet sich dieser Teil?
Wie fühlt er sich an?
Was möchte er?
Wovor hat er Angst?
Und was hält der andere Teil davon?
Oft zeigt sich dabei, dass scheinbar gegensätzliche Seiten eines Menschen unterschiedliche Fähigkeiten besitzen und unterschiedliche Bedürfnisse vertreten.
Das Ziel ist deshalb nicht, einen vermeintlich "schlechten" Anteil loszuwerden.
Es geht um Integration statt Bekämpfung.
Die verschiedenen Seiten sollen sich kennenlernen, ihre jeweilige Funktion verstehen und neue Möglichkeiten der Zusammenarbeit entwickeln.
EMDR und Teilearbeit
Gerade bei traumatischen Erfahrungen können EMDR und Teilearbeit sinnvoll miteinander verbunden werden.
Denn manchmal möchte ein Mensch eine belastende Erfahrung bearbeiten, während gleichzeitig ein anderer innerer Anteil signalisiert:
Nein. Noch nicht. Das ist zu gefährlich.
Diesen Widerstand einfach überwinden zu wollen, wäre häufig nicht hilfreich.
Stattdessen kann zunächst verstanden werden, welche Schutzfunktion dahintersteht und was dieser Anteil benötigt, damit eine weitere Verarbeitung möglich wird.
Traumatherapie bedeutet deshalb nicht, mit Gewalt Türen zur Vergangenheit zu öffnen.
Sie bedeutet, gemeinsam herauszufinden, welche Tür wann geöffnet werden kann – und welche vielleicht zunächst geschlossen bleiben sollte.
Wieder mehr innere Freiheit
Am Ende geht es weder bei EMDR noch bei der Teilearbeit darum, die eigene Vergangenheit ungeschehen zu machen.
Es geht darum, dass sie weniger Macht über die Gegenwart bekommt.
Dass alte Schutzmechanismen nicht mehr automatisch bestimmen müssen, wie wir heute fühlen, entscheiden und Beziehungen gestalten.
Und dass aus innerem Gegeneinander allmählich mehr Zusammenarbeit entstehen kann.
Nicht alles, was uns heute behindert, war schon immer unser Feind. Manches hat uns einmal geschützt – und darf heute lernen, dass die Welt eine andere geworden ist.
Entdecke eine äußerst hilfreiche Anleitung zur Stressreduktion durch Körperarbeit und Bewusstwerdung von Traumatherapeutin Gina Ross. Der Körper ist wie eine "natürliche Waschmaschine" für die Psyche, benutze ihn! Lerne, psychische Stressoren und spannungsgeladene Körperempfindungen zu lösen und zu regulieren. Hier mein wertvoller Tipp: Schaue das Video intensiv an, nimm dir Zeit, wiederhole es und entwickle deine ganz eigenen Wege damit.
Bilaterale Stimulation (BLS) im EMDR (Eye Movement Desensitization and Reprocessing) aktiviert abwechselnd beide Gehirnhälften, reduziert die emotionale Intensität des impliziten Gedächtnisses – typischerweise durch Augenbewegungen, Töne oder taktile Reize wie z. B. "Tappen". Dieser rhythmische Wechsel scheint die Verarbeitung belastender Erinnerungen zu fördern, vergleichbar mit der neurologischen Aktivität im REM-Schlaf. Dabei werden traumatische Gedächtnisinhalte mit neuen, weniger belastenden Informationen verknüpft – ein neuronaler "Update"-Prozess wird angestoßen, indem sich voneinander getrennt angelegte neuronale Netzwerke verbinden.
In Kombination mit Imagery Rescripting and Reprocessing Therapy (IRRT) wird BLS gezielt in Phase 3 eingesetzt, also dort, wo der Patient mit seinem "Hilfreichen Selbst" das traumatische Bild konfrontiert. Die bilaterale Stimulation unterstützt hier die Integration der korrigierten inneren Bilder und emotionalen Narrative – als würde der neue heilsame Film direkt ins Gehirn eingeschnitten. Auch wenn die Wirkmechanismen noch nicht abschließend geklärt sind, deuten neuropsychologische Modelle auf eine Entlastung thalamischer, hippocampaler und amygdaloider Stressnetzwerke hin. Der Effekt bleibt teils suggestiv, aber gerade in Verbindung mit imaginierten Selbstanteilen kann BLS als rhythmisierender Taktgeber für neuronale Selbstregulation wirksam werden.
Mit den eigenen Dämonen arbeiten...
Und manchmal ist es ganz hilfreich, sich innere Zwänge und Ängste als Gestalt vorzustellen... mit denen man dann in einen Dialog zur Auseinandersetzung tritt. Da gibt es scheinbar hilfreiche Monster, denen man immer mehr Platz gewährt, die sich aber auch manchmal als nicht so hilfreich herausstellen. Dann muss man sie verkleinern, die Kontrolle über sie gewinnen und letztlich erfolgreich verjagen. Wenn nichts mehr geht, probier Humor. Eine humorvolle aber ernstgemeinte Absicht zur wichtigen inneren Arbeit! Idealerweise fängt man immer bei sich selbst an mit der Veränderung, bevor man andere verändern will und das auch nicht gelingt, daher:
Do the inner work first!

