Narzissmus 

die fabelhafte Welt des Ich!

arte

Psycho

Ich, das Größte. Narzissmus

Das Urteil ist eindeutig: Narzissten sind schrecklich! Sie denken nur an sich und das Leid anderer interessiert sie nicht. Diese Stereotype sind weit verbreitet und falsch. Menschen mit narzisstischer Persönlichkeitsstörung haben ein echtes Problem: Ihr Selbst ist fragil und muss beschützt werden. Es gibt sowohl Phasen großer Selbstsicherheit als auch solcher mit quälenden Zweifeln. Regie Antje Behr, Franziska Wieland (2022)

Narzissmus = Selbstwertgefühlregulationsstörung

Narzissmus ist eine Selbstwertstörung. Um den Narzissmus-Begriff herrscht in der populären wie in der fachlichen Welt viel Missverständliches und Unklarheit. Der Begriff Narzissmus ist schwammig. Er bezieht sich oft fälschlich auf die "historische" lyrische Figur des Narziss, aber auch fachlich ist es problematisch, Personen als "narzisstisch" zu benennen, ohne ergänzend das Problematische daran in Begriffen des Verhaltens, des Denkens und des Wahrnehmens zu konkretisieren. Narzissmus ist meines Erachtens das überwiegende bis ausschließliche, andauernde Interesse an einem selbst. Andere stehen nur in Funktion zu diesem Interesse. Ein wahres Interesse am anderen existiert nicht.

Wahr ist, dass dem Kern nach Narzissmus eine Selbstwertstörung ist. Darin sind sich zumindest die meisten einig, auch die leidenschaftlichsten Kritiker des Narzissmus-Konzepts. Wahr ist, dass das eigene Selbstwertgefühl (Selbstwertwahrnehmung und Selbstwertbeurteilung) durch massiven Geltungsdrang, Rücksichtslosigkeit, Kontroll- und Machtansprüchen reguliert wird.

Beispielhaft geht es in hochstrittigen Trennungsfällen vornehmlich um den Besitz eines anderen Menschen, eines Kindes. Hier wird anders geliebt, über das Materielle mehr als über das Ideele. Narzisstisches Verhalten entsteht eher durch permissives Erziehungsverhalten und Anerkennung und Lob für keine oder wenig Leistung. Es fördert, ermöglicht ein Schauspiel, um diese materiellen und besitzorientierten Ziele zu erreichen. Für die Rechtsprechung ist besonders in hochstrittigen Fällen wichtig, das strategisch manipulativ eingesetzte Schauspiel zum Erreichen egoistischer Ziele zu durchschauen. Die Rechtsprechung ist besonders in hochstrittige Fällen wichtig, unnötige Kosten zu reduzieren, materielle und besonders auch ideele, emotionale und psychische Kosten. Den Blick dafür zu bekommen, das psychologische Sichtfeld zu öffnen, hinter die Oberfläche zu blicken, die durch die Fachkräfte nur angerissen wird. Es werden die grundlegenden Fragen nicht gestellt, was ist denn mit einem Menschen los, der sich so problematisch verhält.

Dieses interpersonale problematische Verhalten, unter dem andere Personen erheblich leiden, unter dem Begriff sehr weitgefassten Begriff "Narzissmus" zu subsummieren, macht daher auch in hochstrittigen Fällen keinen Sinn. Aber das sollte motivieren, genauer zu benennen, was das problematische Verhalten ist. Daher müssen wir uns alle sehr detailliert damit befassen, um die Störung wirklich zu erkennen. Dem steht Vieles entgegen, die eigene Abwehr, sich mit psychologischen lästigen Themen einer psychischen Störung oder problematischen Verhaltens zu befassen und ganz Alltägliches, die Arbeitslast zu reduzieren und damit auch das lästige Thema "Narzissmus" mit all seine Implikationen rasch "vom Tisch zu haben". 

Es ist daher eine notwendige Zumutung an alle Beteiligten, um sich Klarheit zu verschaffen und sich eben nicht einfach abfertigen zu lassen. Weder in die Kategorie des Narzissmus noch in die Kategorie einer anderen Persönlichkeitsstörung "stecken zu lassen". Es ist dabei große Sorgfalt zu tragen, wie (manipulativ) von den eigenen Verantwortungen abgelenkt wird und anderen eigene Schuld und eigene Verantwortung delegiert wird. Die Täter-Opfer-Umkehr dient der eigenen Selbstwertregulation und läuft immer auf Kosten des realen Opfers, welches als scheinbarer Täter stilisiert wird. Man mag an dieser Stelle heraus sich die eigene Last erleichtern mit der Aussage, beide haben zu gleichen Teilen dazu beigetragen. Dem kann in vielen Fällen zugestimmt werden.

Neutralität jedoch hilft nur dem Täter, nie dem Opfer, etablierte schon Friedensnobelpreisträger und Holocaustüberlebender Elie Wiesel (1928–2016). Daher ist Parteilichkeit notwendig, sobald problematisches Verhalten wie psychische Gewalt, Impulsivität und andere eindeutige Marker einer Person klar zuzuordnen sind und eine Relativierung durch Umkehr ins Gegenteil unmöglich ist.

Spielerisch mit Narzissmus umgehen...

Impact Spiel in der Kommunikation mit einem narzisstischen Partner.

Jeder bekommt 50 rote Karten (Vorwurf), 50 gelbe Karten (Emotion) und 50 grüne Karten (Kompromiss). Jedes Mal, wenn eine(r) dem anderen was sagt, bekommt sie/er eine Karte. Wer am Ende keine roten Karten mehr hat, gewinnt. Wer die meisten gelben hat, kann offen über seine Gefühle sprechen, was toll ist, denn er ist der Selbst-Empathie-Prinz (Prinzessin). Wer die meisten grünen Karten hat ist der Gewinner der Diplomatie, die beste Voraussetzung für eine lange Partnerschaft.

Wer das hier sagt erhält sofort eine rote Karte: »Du hast die Spülmaschine falsch eingeräumt!«

Wer das hier sagt erhält sofort eine gelbe Karte: »Mir geht es gerade nicht so gut.«

Wer das hier sagt erhält eine grüne: »Ich bin an dir interessiert, ich glaube zu verstehen, was du meinst, aber lass uns das heute Abend in Ruhe besprechen, wenn ich dafür einen freien Kopf habe, ja?«

Noch ein paar Hinweise in narzisstischer Sache...

»Gestatten, ich bin ein Arschloch.«

Ein netter Narzisst und Psychiater erklärt, wie Sie Narzissten entlarven und ihnen Paroli bieten

Best- und Longselling Amazon-Book:

Erschienen im April 2020 im Eden Books Verlag und handelt auch von mir, der mal den Spiegel vorhält und uns alle fragt, wieviel Narzissmus hat jeder so in sich. Ein Buch, das die positive Seite des Narzissmus aber auch die Schattenseite der Störung erklärt und Tipps liefert, wie damit umzugehen ist. Denn wir können die Narzissten und den Narzissmus als globales Phänomen nicht auf eine Insel verbannen. Mich selbst zum Beispiel machend und eine kleine Innenschau meiner Ehe und der Beziehung zu meinem Hund lockern auf, was der bittere Ernst hieran ist, nämlich dass Narzissten die Fähigkeit haben, Menschen zu zerstören. Sich selbst als so wichtig zu sehen, dass ein anderer Mensch und sogar ein anderes Menschenleben nichts mehr zählt. Nicht nur Populisten und ihre einfachen Tricks nehme ich aufs Korn und fange gleich mit Donald J. Trump an, sondern auch diesen stillen, leisen Narzissmus, der unsere so wertvolle Zwischenmenschlichkeit vergiftet, beleuchte ich. Der Mangel an Empathie und der Mangel an Interesse am Menschen sind die Folgen einer neurotisch fehleingestellten Selbstbewertungsstörung, die schon früh in der Entwicklung der menschlichen Psyche eingestellt werden. Mit Humor und provokativer Herausforderung kann man die Kulisse einreissen, die ein Narzisst aufbaut. Mit Selbstbehauptung und Nachdruck ohne zu überziehen kann jeder einen Narzissten ausbremsen. Wir sollten alle keine Angst vor diesen Typen haben, wenn sie nicht zu den Extremen gehören. Dazu ermutige ich in meinen neuen Buch! 

Noch im April 2020, mitten im Lockdown und zwei Wochen nach dem Erscheinungstermin, kam das Buch bis auf Platz 7 der Spiegel Bestsellerliste, wo es sich bis September 2020 wacker hielt.


Rainer Sachses Kommentar zu dem Buch von Pablo Hagemeyer "Gestatten, ich bin ein Arschloch"

Das Buch handelt von Narzissten: Es handelt davon, wie und was Narzissten erleben, wie sie Handeln und wie sie Beziehungen gestalten. Das Buch ist aus einer sehr persönlichen, stark introspektiven Perspektive geschrieben und erlaubt damit viele Einblicke in ein "narzisstisches Funktionieren".

Sehr positiv ist anzumerken, dass der Autor betont, dass Narzissmus ein heterogenes Konzept ist: Es gibt viele unterschiedliche Ausprägungen und Spielarten von Narzissmus. Es gibt Stile und Störungen, erfolgreiche und erfolglose Narzissten und das narzisstische Handeln hängt hochgradig mit anderen Faktoren zusammen. Einige Ausprägungen wirken sich für den Betroffenen und für Interaktionspartner durchaus positiv aus, andere erzeugen für die Person hohe Kosten und wirken auf Interaktionspartner negativ.

Daher ist es in der Tat wesentlich, Narzissten besser zu verstehen.

Das Buch macht dankenswerterweise auch klar, dass viele Aspekte des Narzissmus Ressourcen sind. So spornt Narzissmus an, ermöglicht hohe Leistungsorientierung und hohe Handlungsorientierung, schnelle Entscheidungen usw.: Insofern kann sich Narzissmus als stark positiv erweisen und ist daher auch gesellschaftlich akzeptabel.

Insgesamt konzentriert sich der Autor stark auf den interaktionellen Aspekt, der tatsächlich äußerst wichtig ist. Wie gehen Narzissten mit Interaktionspartnern um? Es wird deutlich, dass hier Narzissmus zu hohen Kosten führen kann, das die Person ihre Partner bevormundet, kontrolliert, abwerten und manipulieren kann; sie kritisiert hart, ist aber selbst hoch kritikempfindlich.

Auch diese Aspekte von Narzissmus zu verstehen ist hoch relevant, insbesondere dadurch, dass der Autor sich ausführlich mit der Frage beschäftigt, wie Interaktionspartner mit dem problematischen Handeln von Narzissten umgehen können. Auch der konstruktive Umgang mit typischen manipulativen Strategien wird behandelt.

Das Buch ist daher spannend und lobenswert; die stark persönliche Sichtweise vermittelt einerseits deutliche Eindrücke, hat allerdings manchmal den Nachteil, dass ein Leser die Distanz zum Stoff verlieren kann.

Zu der tiefenpsychologischen Therapiekonzeption kann ich nichts sagen, da dies nicht meinem therapeutischen Vorgehen entspricht.

Ein kleineres Problem liegt darin, dass eine konzeptuelle Unterscheidung zwischen einem starken Narzissmus und einer Psychopathie nicht wirklich ausgearbeitet ist: Das führt des Öfteren z. B. zu der falschen Annahme, Trump sei nur narzisstisch.

Ganz sicher ist er auch narzisstisch aber er ist vor allem psychopathisch. 

Prof. Rainer Sachse im Mai 2020